Ein sehr wichtiges Thema: Bibliothekspflege
Die Bibliothekspflege ist mit das Wichtigste in jedem CAD-Programm, so auch in EAGLE
Die mit EAGLE gelieferten Bibliotheken sollten nur als Vorlage zum kopieren in eigene Projekt-Bibliotheken benutzt werden.
Der Vorteil, man pflegt seine eigenen bzw. Projektbibliotheken die dann bei Änderungen der allgemeinen Bibliotheken die mit EAGLE geliefert werden,
oder die man sich aus dem Internet herunterlädt nicht betroffen sind.
Problem: Wird die Position oder das Aussehen der Symbole/Packages geändert und mach man dann ich einem älteren Projekt ein UPDATE Bibliothek...
darf man sich nicht Wundern dass der Schaltplan bzw. das Layout verändert wird.
Beispiel siehe hier .
EAGLE speichert in den SCH- und BRD-Dateien die Bauteildefinition (PACKAGE, SYMBOL, DEVICESET) mit dem Namen
der LBR (Bibliothek), nicht aber den Pfad zur LBR.
Schaltet man jetzt mit USE auf die andere LBR um und führt ein UPDATE durch, werden die Informationen der jetzt benutzten
(in USE befindlichen) LBR benutzt und die Objekte ausgetauscht.
Man kann auch mit UPDATE und Angabe des kompletten PFAD/Dateinamen die anderen Symbol/Package-Varianten austauschen,
auch wenn diese nicht in der USE-Liste stehen.
Deshalb kann auch sehr schnell zwischen Varianten von Bibliotheken umgeschaltet werden indem man mit dem gleichen LBR-Namen in einem
anderen Verzeichnis eine andere Darstellung der Symbole anlegen kann, aber unter dem gleichen Deviceset-Namen.
Beispiel sind die Bibliotheken:
74xx-eu.lbr
74xx-little-de.lbr
74ttl-din.lbr
74xx-us.lbr
74xx-little-us.lbr
Die Bibliotheken 74xx-eu.lbr; 74xx-little-de.lbr; 74ttl-din.lbr und 74xx-us.lbr; 74xx-little-us.lbr unterscheiden sich in den Symbolen.
Beispiel: NAND-Gatter
Hier sieht man den Unterschied der Symbole. Im Europäischen Raum wurde typisch das Symbol 1 3 und 4 benutzt.
Wobei in früheren Schaltplänen die Symbole 1 und 3 benutzt wurden, seit ca. 1996 wurden dann die DIN-Symbole wie 3 benutzt.
Ich muß zugeben, die DIN-Symbole mag ich nicht. Wenn man in der Ausbildung und dann über 30 Jahre die Symbole gewohnt war,
tut man sich schwer die neuen Symbole zu verstehen. Sind auch gewöhnungsbedürftig. Andererseits können jüngere Generationen
von Elektronikern mit den älteren Symbolen nichts anfangen.
Im US-Amerikanischen und Internationalen Raum wurden eher die Symbole 2 und 5 benutzt.
Und dann gibt es noch den asiatischen Raum (Japan). Die hatten früher noch andere Symbole.
Aber hier kommt der Trick mit den Device und Bibliothek-Namen.
Mit USE ... und UPDATE kann man schnell zwischen den Bibliotheksvarianten umschalten, und somit für den gewünschten Markt
einen Schaltplan ausdrucken oder als PDF exportieren.
Wichtig ist hier nur, dass sich die Position der PINs relativ zum Origin (Nullpunkt) des Symbol nicht unterscheiden,
da sich sonst beim UPDATE die Koordinaten der PINs verändern und die NET-Linien Diagonal verlaufen.
Ein PIN zieht ein NET wie ein Gummiband mit sich. Sehr gut zu beobachten auch bei MOVE, ROTATE, MIRROR.
Sehr Wichtig, der Origin (Nullpunkt)
Mache Anwender zeichnen ein Symbol aus dem Nullpunkt heraus, soll heißen, der erste PIN der im Symbol platziert wird,liegt auf der Koordinate (0 0). Benutzt man dieses Symbol im Schaltplan wird es nach Anbinden eines NET an diesem PIN schwieriger das Symbol
mit MOVE zu verschieben, da der MOVE-Befehl zuerst den NET-Wire über dem PIN sieht und damit das NET verschieben würde.
Ein PIN (der Kontaktpunkt des PIN) sollte nie auf dem Nullpunkt oder ausserhalb das Symbol platziert werden.
Der Nullpunkt (Origin) wird durch ein kleines Fadenkreuz angezeigt, um zu erkennen wo man das Symbol anpacken kann.
Ist der Nullpunkt ausserhalb des Symbol, wird man i.d.R. das Symbol nicht so leicht selektieren können.
Deshalb Regel Nr. 1, der Nullpunkt ist immer in der Mitte das Symbol. Mit einer Ausnahme, Zeichnungsrahmen. Hier ist der Nullpunkt links unten
an der Ecke.
Warum sollte man sich an diese Regel halten?
-
Netze dürfen nie durch ein Symbol verlegt werden, dadurch ist der Anfasspunkt immer eindeutig und wird zuverlässig selektiert. *
-
Bei Zeichnungsrahmen immer linke untere Ecke. Auch hier ist dann der Anfasspunkt immer eindeutig.
Warum jetzt hier nicht in der Mitte?
Nun ja, innerhalb des Zeichnungsrahmen platziert man ja die Symbole und verlegt die NETze. Wäre jetzt der Nullpunkt in der Mitte,
und in der Nähe befindet sich ein Symbol, NET-Wire, TEXT oder ein sonstiges Objekt, würde man dieses Objekt bewegen statt
den Zeichnungsrahmen und umgekehrt. *
In diesem Fall ändert sich das Symbol des Cursor zu

Jetzt muß man mit der rechten Maustaste so lange durchtracen, bis das Objekt das man selektieren will gehighlighted wird, also die Farbe ändert.
Dann drückt man die linke Maustaste und das gewählte Objekt hängt am Cursor und kann bewegt werden.
durchtracen = drücken der rechte Maustaste, mit jedem Klick wird weitergeschaltet. Ist eine Endlosschleife bis man die linke Maustaste drückt.
Dieses Verhalten zeigt EAGLE bei allen Befehlen die eine Auswahl des Objektes ermöglichen. CHANGE, ROTATE, MIRROR, INFO ...
Noch ein TIP zu den Bibliotheken
Speichern Sie die mitgelieferten LBRs nicht im Hauptpfad für die Bibliotheken im Control-Panel, da EAGLE beim Start alle LBRsdurchsuchen muß um eine aktuelle Liste der Bibliotheken, Devicesets, Packages und Symbole für die Anzeige im Control-Panel
unter dem Pfad Bibliotheken aufzubereiten.
Dazu muß jede in dem Verzeichnis befindliche LBR geladen und durchsucht werden, was bei entsprechenden Anzahl und Größe
von LBRs dauern kann. Ebenso bei USE und ADD im SCH/BRD, da nach USE die LBRs erneut für das ADD-Menü gelesen werden
müssen, um für die aktuell in USE befindlichen LBRs die Liste aufzubereiten.
Ich habe mir für diesen Zweck ein ULP geschrieben, um mit einem Knopfdruck nur die LBRs in die USE-Liste aufzunehmen die schon
im SCH/BRD benutzt sind. Man will ja effektiv arbeiten und nicht ständig nur auf die Aufbereitung von irgendwelchen Listen warten.
Und noch ein TIP:
Vertraue nie einer Bibliothek die Du nicht selbst erzeugt und schon erfolgreich eingesetzt hast.
In meiner Zeit bei CadSoft war ich auch für die Bibliothekspflege zuständig, und da habe ich so manches "Kunstwerk" erlebt.
Und auch in der Zeit als CadSoft (EAGLE) zu Farnell gehörte, war der Zeitaufwand der Bibliothekspflege extrem.
Farnell hat von einem Büro in Indien mit einem Konverter von "ULTRA-Libraian" viele Bibliotheken von den Bauteilen aus
ihrem Katalog anlegen lassen.
Das Problem war, die Mitarbeiter dieses Büro waren reine "Mausklicker".
Soll heißen, das Ergebnis der Konvertierung wurde nicht überprüft, bis sich Anwender gemeldet und sich beschwert haben,
dass man so einige der Bauteile nicht vernünftig löten konnte.
Es gab teilweise sogar Kurzschlüsse. Der Grund war, bei der Konvertierung wurden Koordinaten von Millimeter auf MIL gerundet.
Das ergab dann bei den Koordinaten (SMDs) die laut Datenblatt vom Hersteller nicht im Zollraster waren, sogenannte Jitter.
Davon waren vor allem Bauteile mit den Millimeter-Rastern 0.25; 0.3; 0.4; 0.45; 0.5; 0.6; 0.65; 0.8 usw. betroffen.
Je feiner das Raster und je hochpoliger das Bauteil war, um so schlimmer hat sich das ausgewirkt.
Die Platinen waren somit Schrott.
Das größere Problem war dann, dass Anwender nicht erst nur bis zu 3 Prototypen der Platinen bestellt haben,
sondern gleich bis zu 1000, in dem Glauben dass die Bibliotheken ja stimmen und somit das Layout perfekt ist.
Der Schrottplatz lässt grüßen.
Als Lösung habe ich dann das check-smd-grid-jitter.ulp geschrieben.
Denn hunderte von SMD-Koordinaten von Hand korrigieren war mir dann zu mühselig und auch zu Fehlerträchtig.
Das ULP liest die Koordinaten der SMD und berechnet einen Mittelwert. Enspricht der Mittelwert dem Abstand wie
im Datenblatt vorgegeben, dann kann man mit einem Mausklick das Package berichtigen lassen.
Ansonsten gibt man den Wert aus dem Datenblatt ein, und noch ein Mausklick, und schon werden die Koordinaten der SMD berichtigt.
Aber auch bei von Hand angelegten Packages von Anwendern gab es genügend Probleme.
CadSoft hat den Anwendern eine Plattform geboten, mit der sie ihre Bibliotheten austauschen konnten.
Die Bibliotheken wurden dann von CadSoft nur bez. Verletzungen von Patentrechten oder Copyright überprüft,
in der Annahme dass der Anwender das Bauteil ja schließlich erfolgreich in seinem Projekt eingesetzt hatte.
Aber dass hat sich dann Teilweise auch als Irrtum herausgestellt. Es gab so manchen Anwender der scheinbar aus Langeweile
Bibliotheken erstellt und hochgeladen hat. Erst als andere Anwender die Bauteile in Ihren Projekten benutzt hatten,
kam die große Ernüchterung. Und wieder was für den Schrottplatz.
... und dann noch die Description in Bibliothekobjekten
Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man im Device/Package/Symbol in der DESCRIPTION ein Datenblatt des Hersteller verlinkt,dann erhält man nach einiger Zeit nur die Meldung Error 404
Leider krempeln die Hersteller und auch die Distributoren der Bauteile gerne mal ihre Internetseiten um, muß ja jetzt Stylisch/Modern sein.
Dadurch wird aber auch die URL zur Seite umbenannt, so das der Link der in der Bibliothek eingetragen ist, eben ins Leere läuft.
Sogar bei Bibliotheken von Würth, die von Würth selbst angelegt wurden.
Ich habe mir deshalb in jüngster Zeit angewöhnt die Datenblätter herunter zu laden und in einem lokalen extra Ordner zu speichern,
damit diese Links auch noch nach Jahren funktionieren.
Übrigens kann man sich die Datenblätter auch aus dem Schaltplan anzeigen lassen. Natürlich hab ich mir dazu auch ein ULP geschrieben,
um an den Link in der DESCRIPTION heranzukommen.
Über das Kontext-Menü (context-all.ulp) mit Link in Attribute/Description ausführen kommt man an den Link/Datenblatt/Bild ...
Und dann gibt es noch die Seiten, die sich bei Google in den Vordergrund drängen und einem die Datenblätter verkaufen wollen.
I.d.R. bekommt man Datenblätter vom Hersteller kostenlos, denn der hat ja ein Interesse daran, dass die Entwickler die Bauteile einsetzen,
und dafür braucht man erst mal das Datenblatt, damit man daraus ersehen kann, ob das Bauteil auch die geforderten Eigenschaften hat,
das man für den angedachten Zweck einsetzen will.